Jovana Reisinger ist Autorin, Film- und Theatermacherin, Kolumnistin, IT-Girl und, zumindest dem Feuilleton zufolge, die deutsche Carrie Bradshaw. Sie findet das „lustig und nicht sonderlich schlimm“. Dass das dazugehörige Traum-Penthouse in Manhattan bislang ausgeblieben ist, schon eher. Wobei sich aus einem Penthouse womöglich auch schlechter über Freibadpommes schreiben ließe.
Bei Jovana sind die vermeintlich schönen Dinge ohnehin nie nur schön und die vermeintlich oberflächlichen selten nur Oberfläche: Glamour und Tussi-Sein, Mode und Geschmack, Sex und Begehren, Genuss und Konsum führen zu Klasse und Kapitalismus, Feminismus und Weiblichkeit. Zum Material des spätkapitalistischen Lebens also, in dem selbst die angenehmen Dinge ihre Bedingungen haben: Wer kann sich was leisten, wer darf genießen, wer begehrt wen – und wer befindet eigentlich darüber, was als guter Geschmack durchgeht?
Jovana stellt gerade ihren neuen Roman fertig, arbeitet am Drehbuch für ihren nächsten Kinofilm, steht im Herbst wieder in Enjoy Schatz an den Münchner Kammerspielen auf der Bühne und wird 2027 in Wien am TEATA spielen. Die Frau hat also zu tun. Dass darüber ausgerechnet eine vielversprechende Ratgeberin verloren geht, wollten wir dennoch nicht verantworten. Es lag also nahe, sie mit euren Fragen und Troubles zu behelligen: Liebe und Freundschaft, feministische Männer und Red Flags, Klassenwechsel und soziale Codes, Glamour, schlechte Entscheidungen – all die Dinge eben, an denen man sich im täglichen Leben so abarbeitet.
Nur mit dem klassischen Ratgeberprinzip hat Jovana es nicht so. Sie würde die eigenen Ratschläge nicht immer befolgen und neige ohnehin dazu, erst einmal die Verhältnisse zu analysieren. Im Zweifel heiße es dann: Kommt drauf an. Denkbar unpraktisch, findet sie. Wir finden: beste Voraussetzungen. Die Welt hat schließlich genug Gewissheiten und noch keinen Reisinger’schen Kummerkasten. Zeit wird’s.
Fotos: Sophie Wanninger
Haare & Make-Up: Arzu Kücük