Du gehst immer von der Bühne, wenn es am schönsten ist – keine Zugaben. Was steckt da für ein Impuls dahinter … Misstrauen gegenüber dem, was danach kommen könnte?
Ich fand Zugaben immer extrem cringe. Man tut so, als würde man gehen, um dann wiederzukommen und sich noch einmal applaudieren zu lassen – das hat für mich immer was von Masturbation mit Publikum. Aber auf dieser Tour machen wir’s jetzt. Also Zugaben spielen.
Ahja, weil‘s eigentlich unsympathisch ist keine Zugaben zu spielen … wie Oasis?
Von der Relevanz her sind wir eh wie Oasis.
Welcher Gallagher Brother bist du – Liam oder Noel?
Ich bin der mit den fieseren Augenbrauen.
Wenn du auf deine Songs zurückblickst: Gibt es welche, die heute Unbehagen auslösen?
Ja, hundertprozentig. Vor allem Features. Ein paar würde ich nicht mehr machen. Und die erste EP teilweise.
Du bewegst dich textlich oft sehr nah an der Gegenwart – Alltagsfragmente, popkulturelle Referenzen … hast du das Gefühl, dass diese Nähe zum Jetzt eine Voraussetzung für deine Musik ist? Oder wäre für dich auch ein anderes Erzählen denkbar – etwa aus der Perspektive eines lyrischen Ichs, das im Mittelalter verortet ist?
Wahrscheinlich muss ich das sogar bald … weil ich eigentlich schon im Digital Detox angekommen bin. In einer Woche hab’ ich kein iPhone mehr, sondern so ein seltsames Handy, das aussieht wie ein E-Book-Reader. Folglich hab’ ich dann auch kein WhatsApp, kein Instagram und bezahl unseren Gitarristen, um den Account zu betreuen. Die Inspiration muss dann halt woanders herkommen. Bücher, Filme, echte Welt. Vielleicht schreib ich dann Minnesang. Oder so Hyperminnesang.
Du bist ja auf Social Media, aber anscheinend eher so gezwungenermaßen – ist diese Präsenz für dich überhaupt noch Ausdruck von dir, oder eher etwas, das du mitmachst, weil es eben dazugehört?
Die Präsenz ist mir eigentlich egal. Man muss da einfach mitspielen, wenn das der Beruf ist. Wenn du Musiker:in bist, musst du da dabei sein, musst dich und deine Musik promoten. Das hat für mich wenig mit Ego zu tun, das ist wirklich rein pragmatisch. Es ist eher so eine Art Algorithmus-Götzendienst.
Natürlich will ich Sachen rausbringen, mit denen ich mich wohlfühle. Aber wenn es privat wäre, hätte ich sicher kein Instagram mehr. Also, wenn ich das nicht für meinen Job bräuchte, wär’ das längst weg. Ich hab’ alle Freund:innen, die ich brauche. Ich will keine neuen Freund:innen. Und sonst weiß ich auch nicht, was ich dort soll. Ich bin einfach extrem süchtig nach Internet und Handy. Und von meinem Standpunkt aus heißt das: Ich muss mich davon entfernen, es ruiniert mein Leben.