Wenn man deine Kurzfilme, Musikvideos und How to Be Normal nebeneinander betrachtet, erkennt man trotz der unterschiedlichen Formate Verbindungen. Interessiert dich die Idee einer eigenen Handschrift?
Gerade in einer Zeit, in der sich durch AI alles sehr leicht reproduzieren lässt, bleibt am Ende die eigene Stimme. Nach ihr und nach der eigenen Intuition zu arbeiten, ist gleichzeitig das Beängstigendste und Unsicherste. Mit Michael Haneke, meinem Regieprofessor, habe ich oft darüber diskutiert, wo eine eigene Handschrift beginnt. Er sagte: Schau genau hin, ich mache im Grunde immer denselben Film in Variationen. Das trifft auf viele Regiepersonen zu. Andere, wie Stanley Kubrick, haben sich mit jedem Genre neu erfunden, und trotzdem gibt es verbindende Elemente. Erzwingen kann man das nicht. Aber die eigene Stimme ist letztlich das Einzige, was man wirklich hat. David Bowie sagte sinngemäß, Kunst werde dort spannend, wo man im Wasser gerade nicht mehr stehen könne.
Du willst sagen … man müsse also die eigene Komfortzone immer wieder verlassen?
Hundert Prozent. Bei manchen Filmemacher:innen merkt man, dass sie sehr schnell arbeiten können, weil sie sich selbst gefunden haben. Für das Publikum kann das aber auch unspannender werden. Man muss so weit hinausgehen, dass es nicht mehr ganz bequem ist. Genau das macht künstlerisches Arbeiten aufreibend, aber auch wesentlich. Dort können andere Menschen an eine genuine persönliche Erfahrung andocken.
How to Be Normal lebt davon, Bilder, Genres und popkulturelle Referenzen aufzugreifen und neu zusammenzusetzen. In einer Kultur, in der ohnehin permanent gesampelt, zitiert und weiterverarbeitet wird: Wo liegt für dich die Grenze zwischen Aneignung und Kopie?
Ein offen ausgewiesenes Zitat oder sogar eine klare Aneignung finde ich weniger schwierig als etwas, bei dem man spürt, woher es kommt, das aber nicht dazu steht. Bei How to Be Normal ging es darum, mich auf das zurückzubesinnen, was mich als Jugendlicher an Film und Kino fasziniert hat. Manche Zitate sind deshalb völlig pubertär, und genau das mochte ich. Es provoziert auch die saubere Trennung zwischen Trivialkultur, Popkultur und Hochkultur. Als der fertige Film zum ersten Mal auf Entscheidungsträger:innen aus dem Kulturbereich traf, konnten manche ihn nicht einordnen, weil er den üblichen Arthouse-Parametern nicht entsprach. Bei der Berlinale habe ich dann gemerkt, dass er beim Publikum resoniert. In dem Moment waren die schwierigen Jahre wie verpufft. Das war f*cking worth it.