INA KENT meets FARCE

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Ein Porträt der Musikerin FARCE mit Buzzcut, die direkt in die Kamera blickt.
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Unter dem Namen FARCE macht die in Wien lebende Veronika König Musik, in der eingängige Melodien auch mit lauteren Gitarren und elektronischen Experimenten gut auskommen. Sich auf eine einzige Richtung festzulegen, wäre ihr ohnehin zu wenig: FARCE möchte noch lange Kunst machen und sich dabei die Freiheit erhalten, Verschiedenes auszuprobieren. Die Musikerin, Produzentin und Komponistin macht vieles selbst, hält vom einsamen Genie allerdings wenig.

Auf ihrem im Juni erschienen Album The Label beschäftigt sie sich damit, wie wir gesehen, bezeichnet und von anderen eingeordnet werden. Wir haben mit FARCE darüber gesprochen, wie viel Teamwork Selbstbestimmung braucht, warum ein Song schon als Titel zum Ohrwurm werden kann und wie man sich klar ausdrückt, ohne anschließend jedes Missverständnis persönlich aufklären zu müssen. Auch ihre Tasche kam zur Sprache: voll, aber mit System.

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Künstlerin FARCE steht auf einer Wiese vor dichtem Grün und trägt eine schwarze INA KENT Ledertasche mit Kette über der Schulter. Sie hat ein schwarzes T-Shirt, schwarze Shorts und schwarze Stiefel an und hält eine Sonnenbrille in der Hand.
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Du bist ländlich am Schwarzwald aufgewachsen und hast erzählt, du hättest dich dort ein bisschen wie ein Alien gefühlt. Wie viel von diesem Umfeld steckt heute in deiner Musik – oder war es vor allem ein Ort, aus dem du gedanklich erst einmal rauswolltest?

Ich habe, wie bestimmt viele Teenager damals, viel Zeit im Internet verbracht, sobald das möglich war: MySpace, Tumblr, Facebook. Hauptsächlich in Communitys, die mit Musik, Film und Kunst zu tun hatten. Mit vierzehn, fünfzehn habe ich auch schon angefangen, selbst für einen Blog zu schreiben, mich also journalistisch mit Musik und Videos auseinanderzusetzen, weil ich es einfach spannend fand.

Das war natürlich gigantisch, das machen zu können, ohne in einer Stadt wie Berlin oder Wien sein zu müssen, wo viel stattfindet. Und dann gab es in Stuttgart natürlich auch Kultur, über die ich sukzessive angefangen habe, mich auch in echt mit den Sachen zu beschäftigen, die mich wirklich interessieren.

Über das Internet hast du also Zugang zu Musik und Gleichgesinnten gefunden. Was hat dir dein unmittelbares Umfeld gegeben – und wie ging es von den Online-Communitys zu Begegnungen vor Ort?

Ich glaube, die Natur und das Umfeld, auch das eher Menschenleere am Schwarzwald, sind am ehesten das, was ich manchmal vermisse. Diese brutale Natur habe ich schon immer sehr gerne gemocht. Ist natürlich auch eine melancholische Natur, ein melancholisches Umfeld.

Durch diese Portale im Internet habe ich dann Lust bekommen, mich auch mit Leuten zu treffen, die ähnliche Interessen haben. Und dann habe ich Leute gefunden, die die gleichen Bands hören und siebenundzwanzig Kilometer entfernt sind. Das war total aufregend. Ich habe mit zwölf oder dreizehn meine erste Coverband gegründet, einfach mit anderen Kids, die auch mal Musik machen wollten.

Musikgeschmack ist gerade in der Jugend oft auch eine soziale Angelegenheit: Man findet über ihn zusammen, zieht aber ebenso Grenzen zu anderen. Du hast dich damals viel in Hardcore- und Metal-Szenen bewegt. Wie hast du diese Szenen als soziale Räume erlebt, und welche Bedeutung hatten sie für deine Auseinandersetzung mit der Welt außerhalb der Musik?

Ich bin in dem Genre und in der Community drumherum total aufgegangen, weil das politisch interessierte Menschen waren. Es ging um politisches Engagement, direkte Hilfe und Solidarität für Leute im nächsten Umfeld, die betroffen waren von Repressalien, von Rassismus, von Polizeiverfolgung und so.

Wenn man als Teenager viel über die Ungerechtigkeiten herausfindet, die auf der Welt passieren, hatte ich zumindest einfach den Drive, auch irgendwas damit zu machen. Und wenn sich das überschneidet mit Musik, die mir taugt, und vielleicht auch noch einem einigermaßen safen Hangout-Spot wie einem Jugendhaus, wo Konzerte sind, dann ist das ein wichtiger Ort, glaube ich, für viele. Da hatte ich einfach das Glück, dass es in Stuttgart doch einiges an einer progressiven Seite gab.

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Künstlerin FARCE sitzt auf einem bunten Teppich vor einem Holzschreibtisch in einem Musikstudio, im Hintergrund stehen zwei Studiomonitore und ein Keyboard. Sie trägt ein schwarzes T-Shirt, schwarze Stiefel und hält eine schwarze INA KENT Ledertasche mit Kette auf dem Schoß.
Künstlerin FARCE sitzt auf einem bunten Teppich vor einem Holzschreibtisch in einem Musikstudio und blickt in eine schwarze INA KENT Ledertasche mit Kette, die sie mit beiden Händen vor sich hält. Sie trägt ein schwarzes T-Shirt und schwarze Stiefel, hinter ihr stehen ein Keyboard und Studiomonitore.
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Neben deiner eigenen Musik arbeitest du auch als Produzentin, Komponistin und in verschiedenen Rollen am Theater. Wenn über dich gesprochen wird, fällt oft das Wort „Genie“. Taugt dir dieses Bild der Allrounderin oder entsteht dadurch auch eine große Erwartungshaltung?

Ich möchte mich breit aufstellen, weil ich weiß, dass ich in dem Bereich für immer tätig sein möchte. Wenn ich mich immer nur mit mir selbst beschäftige, jede Woche, jedes Jahr, jedes Jahrzehnt, wird das, glaube ich, nicht gut. Es gibt vielleicht Leute, für die das funktioniert, die sich wirklich nur auf eine Sache konzentrieren und darin perfekt werden, so ein Meister:innentum quasi. Das interessiert mich nicht so.

Die Frage, wie das von außen wahrgenommen wird, beschäftigt dich also weniger?

Ich weiß, wie die Realität für Künstler:innen ist, und es wird nie ein Nachteil sein, viele verschiedene Sachen zu können. 

Wir haben zum Beispiel für das Album eine kleine Ausstellung kuratiert. Daran zu arbeiten: Wie setzt man das jetzt visuell um? Wie macht man das kuratorisch? Was schreibt man für kleine Texte dazu, was gibt es für Elemente? Auch das finde ich total spannend. Ich habe nicht so Angst, es falsch oder richtig zu machen, deshalb fühlt es sich ganz frei an, verschiedene Sachen zu machen. 

Die Art, wie du produzierst, wäre deiner Einschätzung nach in einer Stadt wie Berlin gar nicht möglich gewesen. Was hat dir Wien ermöglicht?

Ich weiß gar nicht, ob es mit der Größe zu tun hat oder einfach mit dem Vibe, aber ich hatte bei Wien von Anfang an das Gefühl, dass ich mal ankommen … und mal schauen kann. Dass ich es nicht sofort schon wissen muss. Ich glaube, es gibt viele Experimente und auch Leute, die sich dafür Zeit lassen, Sachen zu entwickeln. Es ist eigentlich eine Stadt, die für Autor:innen gut ist.

Nicht ganz so schnelllebig?

Ein bisschen langsam immer. Alle sind eher ein bisschen zu spät als zu früh. Das ist gut, wenn man eigenbrödlerische Arbeiten machen will. Für so etwas wie Club-Life – lass uns schnell das umsetzen, wir machen das, hast du jetzt dann und dann Zeit? – ist Wien, glaube ich, nicht die Stadt. Das geht vielleicht in London oder Berlin leichter. Aber gleichzeitig brauchst du in Wien höchstens eine halbe Stunde, egal wohin. Das ist auch ein Vorteil.

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Künstlerin FARCE sitzt auf einem gemusterten Teppich vor einem Heizkörper und lehnt den Kopf an eine schwarze INA KENT Ledertasche, die auf dem Heizkörper liegt. Sie trägt ein schwarzes T-Shirt, schwarze Shorts mit Gürtel und schwarze Stiefel.
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Im Zusammenhang mit deinem Album "The Label" hast du von Denkfiguren gesprochen. Du hast erzählt, du hättest zuerst die Titel der Songs gehabt und dann dazu gearbeitet. Was muss ein Titel können, damit du denkst: Dazu gibt es einen Song, den ich schreiben muss?

Die meisten Titel, bei denen ich bleibe, haben wie so eine Ohrwurmqualität auf Wortbasis. Ich erinnere mich immer wieder an den Titel. Ich hänge mich an irgendwas auf, das in dem Titel drin ist, an eine Schreibweise oder eine unerwartete Kombination von Worten. Es gibt, glaube ich, Songs, die den beliebigsten Titel haben und trotzdem gute Songs sind. Es muss auch nicht immer ein Titel sein, den es noch nie gegeben hat. Es kann auch der siebenmillionste Song sein, der „Come On“ heißt. Das kann auch passen. 

Ich beschreibe sie deshalb als Denkfiguren, weil ich über die Songs schon als Konzepte nachgedacht habe, bevor ich mich daran gemacht habe, sie musikalisch umzusetzen. Es gab Themen und Ideen, Theorien, Gemeinplätze, die mich immer wieder tangiert haben, an die ich immer wieder gedacht habe. Geschichten, fiktive Geschichten, die ich erzählen wollte.

Das zu einem Gesamtmenü zu kombinieren, ist natürlich auch immer der Form geschuldet. Was ist die Form, in die ich es bringen möchte? Für mich haben sich zehn Titel und knapp siebenundzwanzig, achtundzwanzig Minuten einfach gut angefühlt.

War das übergeordnete Thema von The Label schon vorher da oder hat es sich daraus ergeben?

Den Titel The Label gab es schon eine Weile. Ela, die auch die Creative Direction gemacht hat, und ich haben viel über die Inhalte gesprochen: Was erzählt der jeweilige Song, wie lässt sich das umsetzen und vermitteln?

Ich glaube, momentan kann man viel damit experimentieren, wie man ein Album präsentiert, weil die klassischen Abläufe eines Releases nicht mehr so funktionieren wie früher. Da haben wir uns ausprobiert und gemeinsam nach Formen gesucht, die Inhalte auch über die Musik hinaus zu vermitteln.

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Künstlerin FARCE steht an einem Holztisch vor einem großen Fenster und stützt sich mit beiden Händen auf, davor steht eine schwarze INA KENT Ledertasche mit Kette. Auf dem Tisch liegt Musikequipment mit Mikrofon, Audio-Interface und Controller, sie hat ein weißes Langarmshirt und Jeans an.
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Auf The Label geht es viel um Bezeichnungen, um Gesehenwerden und Benanntwerden. Gibt es ein Label, das dir andere Menschen geben, in dem du dich überhaupt nicht wiedererkennst? Oder umgekehrt eine Bezeichnung, an der du inzwischen sehr hängst?

Eigentlich beschäftigt mich beides gar nicht so sehr. Darum geht es auch auf dem Album: Wie jemand dich sieht und bezeichnet, geht ganz von dieser Person aus. Ich kann dir etwas zeigen, etwas signalisieren oder dir auf eine bestimmte Art entgegenkommen, und du kannst das ganz anders lesen. Du denkst vielleicht: Das macht sie jetzt aus diesen oder jenen Gründen. Dabei stecken für mich ganz andere dahinter.

Ich freue mich, wenn meine verschiedenen Wege und Ausrichtungen benannt werden. Und wenn jemand nur eine davon herausgreift, wäre ich auch nicht böse, weil sie ja ebenfalls zu mir gehört. Ich bin da nicht mehr so precious, weil diese Einordnung letztlich nichts mit mir zu tun hat.

Das war vermutlich auch ein Prozess, oder?

Doch, klar. Das kommt auch wieder zurück zu dem Thema, sich nicht zugehörig zu fühlen, geothert zu werden, Ausschluss und soziale Dominanz. Alle Menschen, die auf verschiedene Arten und Weisen marginalisiert sind, erleben Othering.

Das informiert zutiefst, wie du die Welt siehst und wie du dich selbst siehst, weil dir immer das Gefühl gegeben wird, dass du nicht dazugehörst. Damit muss man sich von frühester Kindheit an auseinandersetzen. Man hat nicht die Wahl, das zu ignorieren und dann vielleicht irgendwann mal reinzuprüfen.

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Künstlerin FARCE blickt mit schwarzer Sonnenbrille über die Schulter und trägt eine schwarze INA KENT Ledertasche mit Kette. Sie hat ein schwarzes T-Shirt und einen Nietengürtel an, im Hintergrund sind grüne Büsche zu sehen.
Nahaufnahme von Künstlerin FARCE, die eine schwarze INA KENT Ledertasche mit Kette über der Schulter trägt. Sie trägt ein schwarzes T-Shirt, schwarze Shorts und einen Nietengürtel, im Hintergrund sind grüne Büsche zu sehen.
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Klarheit in der eigenen Ausdrucksweise ist dir wichtig. Gleichzeitig lebt Kunst oft von Ambivalenz und Mehrdeutigkeit. Wie viel Missverständnis hältst du aus?

Ich muss davon ausgehen, dass ich ziemlich viel Missverständnis aushalte, weil ich mich im Leben schon oft missverstanden gefühlt habe. Aus dem Missverstandenwerden nicht so eine zwanghafte „Jeder muss mich unbedingt verstehen“-Haltung zu entwickeln, ist auch Teil des Kampfes. Auch das zulassen zu können, gehört dazu.

Leute dürfen mich auch missverstehen, aber ich schulde es mir selbst, dass ich mich klar ausdrücke und wirklich sage, was ich denke, solange es safe und möglich für mich ist, das zu sagen. Sich auf die Zunge zu beißen und auch sich selbst gegenüber nicht ehrlich zu sein, was man über Sachen empfindet – das geht wahrscheinlich jede und jeden an. Da ist quasi Authentizität das Thema: Wie sehr kann ich mich ausdrücken? Wie viel von meinem authentischen Ich müssen auch andere Leute akzeptieren, ertragen, zulassen?

Das heißt gar nicht, dass das nicht ambivalent sein kann oder dass das nicht Emotionen sein können, die ambivalent sind und die ich mit einem Song durcharbeite. Irgendwie muss ja Spannung da sein, wenn ich etwas erzählen möchte. 

Die künstlerische Unabhängigkeit scheint dir viel zu bedeuten. Würdest du sie auch für einen richtig guten Plattenvertrag aufgeben?

Das kommt total darauf an, was es für ein Deal ist. Ich glaube, wenn man in der Industrie agiert und das als sein Business macht: Niemand ist frei in irgendeiner Industrie. Arbeit ist halt Arbeit. In jeder Arbeit muss man Kompromisse machen und sich vielleicht mit Sachen zufriedengeben oder abfinden, die man nicht toll findet, und auch mit Leuten zusammenarbeiten, mit denen man nicht die Weltansicht teilt.

Aber wenn man es sich frei aussuchen kann und eigentlich ein Arbeitsleben wie ein endliches Gruppenprojekt strukturieren kann, finde ich es manchmal schade, wenn man nicht auch darauf achtet, dass es ein wertschätzendes und ähnlich gesinntes Arbeitsumfeld gibt. Ich würde mir idealerweise in jedem Zusammenhang wünschen, dass Menschen gut miteinander umgehen, nett zueinander sind, face value verhandeln, alle wissen, was sie tun, und das consensual ist.

Im Business ist das leider selten so. Wenn es Industriepartner:innen gibt, die auf die Art und Weise arbeiten wollen, bin ich dafür immer offen. Es ist gar nicht so, dass ich von Grund auf nur aus Pose sage: „Ich würde nie, ich mache das gar nicht.“ Ich glaube, man kann trotzdem independent sein und mit Leuten zusammenarbeiten. Aber wenn du mich fragst, ob ich einen Knebelvertrag eingehen würde, der schlecht für mich wäre: nein.

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Künstlerin FARCE sitzt auf einem Stuhl vor raumhohen Bücherregalen und hält eine INA KENT-Tasche in der Hand, in der sich ein Controller für die Musikproduktion befindet.
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Hinter dieser Freiheit steckt auch viel Administration und Bürokratie: Förderungen, Budgets, Deadlines, die eigenen Rechte kennen. Wie viel Disziplin braucht deine Freiheit? Und wie lange hat es gedauert, das Know-how zu finden, um so selbstbestimmt agieren zu können?

Das hat vor allem Leute gebraucht, die bereit waren, ihr Wissen und ihre Erfahrung mit mir zu teilen. Es braucht also nicht nur meine eigene Disziplin, sondern auch den guten Willen anderer. Und den habe ich von verschiedenen Menschen in Wien erfahren. Ich glaube, das ist auch einer der Gründe, warum ich Wien so gerne mag. Dadurch hatte ich überhaupt die Möglichkeit, das ein bisschen ernst zu nehmen, irgendwas zu machen und darum eine Struktur zu erweitern. Und dann viel Zeit und viel Hingabe von Leuten, die das für kein Geld, sehr wenig Geld, aus Leidenschaft, aus Support einfach gemacht haben. Gegenseitige Gefallen, sich gegenseitig aushalten, das hat es gebraucht.

Es hat auch eine gewisse finanzielle Sicherheit gebraucht. Das sind nicht Sachen, bei denen ich sage: Das kann jeder mit einer Hand einfach schnell machen. Sondern ich hatte auch viel Glück und viel guten Willen, um dahin zu kommen, wo ich sagen kann: Eigentlich kann ich mir den Tausch so angucken.

Wenn wir über Verträge reden: Wenn man die ganzen Versprechen, was alles möglich sei, das ganze Potenzial rausnimmt – was ist der Tausch? Es gibt diese ganze administrative Arbeit, diesen ganzen Geschäftszweig der Sache. Damit jemand anders den für mich macht, gebe ich etwas ab. Man muss sich ganz klar sein, ob sich das lohnt. Ob man sich das vielleicht mit jemandem zusammen angucken und dann doch selber machen kann. Oder ob es wirklich so ist: Wenn ich das machen muss, stirbt für mich der andere Teil. Dann kann ich es abgeben, und dann lohnt sich auch der Tausch.

Über Wien hört man auch oft das Gegenteil: die Menschen würden gerne gatekeepen und man finde in anderen Städten leichter jemanden, der einen unterstütze oder mentore.

Sehe ich auch. Wenn ich die eine Person highlighte, die Ja gesagt hat, gegenüber den vierzig, die Nein gesagt haben, will ich damit sagen: Es gibt aber trotzdem Leute, die sich gegenseitig helfen und das auch machen wollen.

Klar gibt es Gatekeeping, natürlich extrem. Ressourcen werden gegatekeept, Wissen wird gegatekeept. Da darf man auch nicht das unter den Scheffel stellen, was da erarbeitet wurde. Deshalb gibt es so eine lebendige Musikszene, weil es so viel Grassroots Work gibt. Da kommen ständig Bands und Acts raus, daher kommt das.

Woran erkennst du heute, ob eine Kollaboration gut ist und ob du jemandem vertrauen kannst?

Bauchgefühl. Bauchgefühl, Respekt, Vertrauen wird erwidert und die Kommunikation ist offen. Dann passt es.

Was ist der unsexieste Skill, der dein Leben als Künstlerin am stärksten verbessert?

Admin. Excel. Also alles, einfach Buchhaltung. Ja. Buchhaltung.

Auf The Label beschäftigst du dich viel damit, wie wir gelesen und bezeichnet werden. Wie bewusst entscheidest du eigentlich, wie du selbst gelesen werden möchtest, bevor du aus dem Haus gehst?

Unsichtbar sein war für mich schon als Teenager keine Option, ich bin sehr schnell sehr groß geworden. Dann habe ich es mir so früh wie möglich zum Hobby gemacht, mein Äußeres bewusst zu verändern, ganz genau zu wissen und zu entscheiden, warum die Leute gaffen. Haare färben, Haare abschneiden, Piercings, Tattoos, Gewand. Alles eigentlich auch ein Spiel mit Zeichen.

Gibt es Kleidungsstücke oder Accessoires, die früher für eine bestimmte Version deiner selbst standen, die du heute aber auf keinen Fall mehr tragen würdest?

Chuck Taylor High Tops in Schwarz. Zeitloser Emo-Schuh meiner Jugend, jedoch orthopädischer Albtraum.

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Künstlerin FARCE steht auf einer Wiese vor dichten grünen Büschen und blickt in eine schwarze INA KENT Ledertasche mit Kette, die sie mit beiden Händen vor sich hält. Sie trägt eine schwarze Sonnenbrille, ein schwarzes T-Shirt, schwarze Shorts und schwarze Stiefel.
Nahaufnahme einer schwarzen INA KENT Ledertasche mit Kette, die auf einem Holztisch liegt. Daneben liegt ein Mikrofon mit goldenem Gitterkopf, im Hintergrund ist ein Heizkörper zu sehen.
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Wenn jemand deine Tasche findet und anhand ihres Inhalts auf deinen Charakter schließen müsste: Was würde die Person richtig einschätzen und was völlig falsch?

Falsch: Ich bin unordentlich (Tasche voll). Richtig: Ich bin ordentlich (Tasche voll mit System).

Wir reden bei INA KENT häufig darüber, dass eine Tasche erst durch die Person, die sie trägt, zu etwas Eigenem wird. Was müsste mit deiner passieren, bevor sie sich wirklich nach dir anfühlt?

Ein paar Macken kriegen, ein paar Anhänger dran, ich liebe zum Beispiel meinen Waldrapp aus Holz oder meinen gekrönten Messingtotenkopf aus der Habsburgergruft. USB-Sticks in jeder Innentasche haben, etwas nach meinem Parfüm riechen vielleicht.

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Culture Picks

Ein popkulturelles Thema, zu dem du eine unverhältnismäßig starke Meinung hast?

Ja, Reality-TV.

Drei Filme, die deiner Meinung nach jede Person einmal gesehen haben sollte?

The Nowhere Inn (2020), A Girl Walks Home Alone at Night (2014), Love Lies Bleeding (2024).

Drei Alben, die dich geprägt haben?

Stereolab – Dots and Loops, Amenra – Mass V, St. Vincent – St. Vincent.

Ein Song, den du gerne selbst geschrieben hättest?

„Kids“ von MGMT.

Drei Bücher, Texte oder Autor, die du immer wieder empfiehlst?

Moderation von Elaine Castillo, Pretend I’m Dead von Jen Beagin und The Medium Is the Massage von Marshall McLuhan und Quentin Fiore.

Drei heimische Artists, die man unbedingt kennen sollte?

Durch pures Glück für uns alle in Österreich anberaumt, entschieden anti-Heimat und auch deshalb für mich und meine musikalische Geschichte am maßgeblichsten: Soap&Skin, Sakura, Ja, Panik.

Und dein derzeit nutzlosestes Spezialwissen?

No such thing as nutzloses Spezialwissen.

Zum Schluss: ein perfekter Tag ohne Verpflichtungen in Wien?

Ausschlafen, Iced Dirty Chai Latte, Bummeln, Essen, Mittagsschlaf, Dinner, Kino. Reihenfolge variabel.

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Ein Porträt der Musikerin FARCE mit Buzzcut, die direkt in die Kamera blickt.
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FARCE TRÄGT:

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INA KENT große Tote Bag in schwarz DELA EDEN ed.1 black
INA KENT große Tote Bag aus schwarzem Leder DELA EDEN ed.1
Eine Person in weißem Hemd, schwarzer Hose und kniehohen schwarzen Stiefeln steht vor weißem Hintergrund, mühelos schick mit einer großen schwarzen Ledertasche von INA KENT über der Schulter.
INA KENT große Schultertasche schwarz DELA EDEN ed.1
Ina Kent zeigt eine Person in einem weißen Hemd und dunklen Hosen, die eine elegante, große schwarze Ledertasche hält und vor einem schlichten weißen Hintergrund posiert.
Die Frau in einem langen weißen Hemd, schwarzen Hosen und hohen schwarzen Stiefeln steht mit dem Rücken zu uns und präsentiert eine elegante Tasche von INA KENT.
Person mit weißem Hemd, schwarzer Hose und kniehohen schwarzen Stiefeln, die mit einer stylischen Umhängetasche von INA KENT vor einem schlichten weißen Hintergrund posiert.
INA KENT DELA EDEN ed.1 große Tasche aus schwarzem Leder Seitenansicht
Eine Draufsicht auf eine INA KENT-Tasche, die einen Laptop, eine Wasserflasche, einen Schlüsselbund, eine Brieftasche, einen grünen Apfel, eine Sonnenbrille und andere persönliche Gegenstände enthält. Man sieht zwei Hände, die die Tasche halten und öffnen.
Vier Abbildungen zeigen verschiedene Tragevarianten der silberfarbenen INA KENT-Tasche namens DELA EDEN. Die Tasche wird in der Hand, über der Schulter und quer über den Körper getragen.

DELA EDEN ed.1
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XL-Tote Bag aus schwarzem Leder

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INA KENT Schlüsselkette BALL'N'CHAIN ed.1 in silber mit schwarzen Details aus Leder
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Kugelkette/ Schlüsselkette in silber, BALL'N'CHAIN ed.1 von INA KENT mit schwarzen Details aus Leder an zwei Schlüssel angehängt
Eine Frau in schwarzem Outfit demonstriert sechs stilvolle Möglichkeiten, eine INA KENT Metallic-Tasche mit Kettenriemen zu tragen, darunter Crossbody, über die Schulter, in der Hand und um die Taille. Der Text lautet: "WAYS TO WEAR".

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Silberne Schlüsselkette / Kettenriemen

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Fotos: Linda Tomschiczek
Licht & Assistenz: Daniel Binder
Video: Gabriela Kielhorn
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03. November 2026