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›it's time to talk‹ Episode 3 mit Marlene Mautner & Gerald Bayer

Die derzeit in San Francisco lebende Fotografin Marlene Mautner teilte mit uns ihren Standpunkt zum gegenwärtigen Krisenmanagement der USA unter Donald Trump und erzählte, was sich als Kunstschaffende in Krisenzeiten ändert.

Bis auf Weiteres sind alle Termine, die wir bis zuletzt für unabdingbar hielten, abgesagt. Der Freizeitstress, den wir uns oft selbst eingehandelt haben, weil man dem Überangebot an möglichen Freizeitgestaltungen nachkommen möchte, ist zeitgleich mit dem Inkrafttreten der Corona-Beschränkungen verschwunden. Kannst Du als Kunstschaffende auch dem Stillstand etwas abgewinnen oder brauchst du den Trubel, um voranzukommen?

Für mich persönlich hat sich, was meine Arbeitsmethoden betrifft, nicht viel geändert.
Ich fotografiere hauptsächlich Still Lifes und arbeite meist im Studio oder in meiner Wohnung. Es ist allerdings schwieriger, Kooperationen einzugehen und umzusetzen, weil der persönliche Kontakt nicht auf die übliche Weise stattfinden kann. Ich fühl mich zudem immer von dem inspiriert, was mich gerade umgibt – d. h. Von zeitgeschichtlichen und gegenwartsbezogenen gesellschaftlichen Themen, gesellschaftliche Veränderung.

Bestimmt bringt dieser Stillstand auch den einen oder anderen Vorteil mit sich – das soll jedoch keinesfalls mindern, wie dramatisch Situation war und noch immer ist. Zum einen fühlt man sich vielleicht gezwungen, sich durch die neue Situation neu zu erfinden. Ich persönlich bin auch weniger von Ablenkungen aller Art beeinflusst, denn dadurch, dass ich einen Großteil der Zeit zu Hause verbringen muss, bin ich auch darauf konzentriert, meinen Alltag in den Griff zu bekommen. D. h. Meinen Tag zu strukturieren und weniger Ausflüchte zu suchen. Auch Freizeitverpflichtungen, die einerseits schön sind, aber andererseits leicht in eine Art Freizeitstress münden können, fallen weg.

In San Francisco ist die Kunstszene, ganz im Gegensatz zu Los Angeles, aber ohnedies leider wenig präsent. Das hat viele Gründe, einer davon ist, dass sich Kunstschaffende in SF keine Studios mehr leisten können. Viele sind anfänglich nach Oakland gezogen, aber mittlerweile ist es auch dort zu teuer. Das hat viel mit der kulturellen Bildung zu tun. Vielverdienende arbeiten hier vorrangig in der Tech-Industrie und in diesen Kreisen wird mit Kunst ganz anders umgegangen und es wird ihr ein anderer Wert zugeschrieben als ich es aus Europa gewohnt bin.

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Du lebst und arbeitest derzeit in den USA – dort könnten womöglich mehr Menschen an Covid-19 sterben als irgendwo sonst auf der Welt, und das liegt nicht zuletzt an der ideologischen Spaltung des Landes. Während in Europa die Krise in Ansätzen zum Sinnbild für Solidarität und Zusammenhalt geworden ist, scheint es, als wäre die Pandemie in den USA ein weiterer Nährboden für politische Kämpfe, Verschwörungstheoretiker und Corona-Leugner. Ist dieses Land noch zu retten?

Ich kann nur sagen, dass ich das hier in SF, im Bay Area County, teilweise anders wahrnehme. Das ist von Staat zu Staat und von County zu County sehr unterschiedlich, denn alle Staaten und Regionen haben ein anderes Krisenmanagement. In Kalifornien waren die Maßnahmen anfänglich recht strikt, es wurde schnell reagiert und einige Maßnahmen hielten lange an. Nachdem es nach den ersten Lockerungen wieder einen Anstieg der Zahlen gab, wurden die Wiedereröffnungs-Pläne von Bars und Gastronomiebetrieben wieder pausiert und die Corona-Maßnahmen nachjustiert.

Die Art und Weise, wie Trump nach Außen kommuniziert, und dass es ihm gelungen ist, wieder „Das Fremde“ zum Feinbild zu machen, in dem er ständig vom „Foreign Virus“ oder China Virus“ spricht, ist vielleicht einzigartig. Generell habe ich aber den Eindruck, dass diese Krise weltweit politisch genutzt wird. Diejenigen, die gut damit umgehen, werden in ihrer Position gestärkt, egal was sonst im Hintergrund passiert. Und auch andere, die wirklich alles falsch machen, legen in Krisenzeiten an Beliebheitswerten zu. Diese Spaltung ist, denke ich, nicht ausschließlich ein Phänomen der USA bzw. hat es sie auch bereits vor Trump gegeben, doch leider treibt er es an die Spitze.

Wenn man sich hier Nachrichtensendungen ansieht, hat man oft den Eindruck, man lebe in einer Dystopie. Die Gefahr ist, eine Immunität bzw. Unempfindlichkeit gegen diesen Wahnsinn zu entwickeln … es einfach hinzunehmen, dass man nur noch kopfschüttelnd vor dem Fernseher sitzt und sich ohnmächtig fühlt. Ich hab’ das Gefühl, dass sich die Amerikaner schon längst an diese Art von Informationsvermittlung gewöhnt haben bzw. es einfach hinnehmen, dass es hier zur Normalität gehört, Populismus in den Medien zu verbreiten. Die politischen Fehltritte haben ein neues Niveau erreicht, einzelne Vorfälle stechen nicht mehr heraus, es ist eher ein Dauerfehltritt. Vielleicht ist diese Krise die einzige Möglichkeit, um aufzuwachen.

 

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Wie kann es einem Brand wie INA KENT gelingen, eine nachhaltige positive Entwicklung aus der Krise zu ziehen?

Es ist natürlich schwierig, momentan überhaupt an Konsum und Neuanschaffungen zu denken, aber eine Marke wie INA KENT hat den Vorteil, dass sie eben kein Fastfashion Brand ist. Es geht um Stücke, die man sich lange behalten möchte, die an sich schon einen anderen Wert haben als ein Stück, das man beim Vorbeigehen irgendwo kauft. Ich finde auch, dass die Marke ein andere Art von Konsumismus fördert – also Dinge mit einem Wert zu kaufen, der über Fast Fashion hinausgeht.

Ich denke, es wird spannend sein zu sehen, wie sich die Krise auf Design generell auswirken wird, denn sobald sich die Gesellschaft ändert, hat das Auswirkungen auf die Kunst dieser Zeit und auf das Design. Die Nutzung von Gebrauchsgegenständen und Fashion-Artikeln ändert sich in Krisenzeiten häufig.

 

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Die Fotografien stammen aus Marlene Mautners fortlaufenden Fotoserie „The soul is sick and tired of its too solid shell“ und portraitiert die Stadt San Francisco in der Zeit des Lockdowns. Marlene Mautner nimmt darin Bezug auf ihre anfänglich verträumte Idee von Kalifornien, die sich zu Beginn ihres USA-Aufenthaltes vor 10 Monaten in ihrer Imagination verankerte. Eine Euphorie, die jedoch im Laufe des Lockdowns gedämpft wurde, und  mittlerweile nur noch in Form einer vagen und verschwommenen Erinnerung existiert.

Der Titel der Serie referenziert einerseits das Gedicht "Eurydice" von Arseny Tarkovsky und nimmt andererseits  – auf metaphorische Weise –  Bezug auf die massive Ansammlung von Muscheln und Meerestieren, die sich derzeit auf den Stränden North Carolinas häufen. Aufgrund der Corona-Pandemie werden Muschelschalen nicht wie üblicherweise von den zum Strand strömenden Touristen aufgesammelt. Das Bild der lädierten Muschelschale erinnert unter anderem auch daran, dass das System in den USA brüchiger ist denn je.

 

Der erfolgreiche Szene-Gastronom sowie Gründer und Geschäftsführer der Spittelberg-Lokale ULRICH und ERICH erzählt im Interview über die Notwendigkeit von Solidarität in Krisenzeiten sowie die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf seine Betriebe.